Der Tag danach

Mittwoch, 01.05.2019, 4:00 Uhr: Ans Schlafen ist noch immer nicht zu denken. Der Fernseher läuft und ich nicke immer mal wieder ein, aber bei den kleinsten lauteren Sequenz im Film „The World’s End“ werde ich wieder wach. Ich beschließe mich doch wieder ins Bett zu quälen. Eingeschlafen bin ich ja immerhin schon ein paar Mal, vielleicht kann ich im Bett durchschlafen.

Wir konnten uns nie für einen Film entscheiden. Es gab zwar immer wieder ein Film, den wir beide schauen wollten, aber sie fand weder Science-Fiction, noch Actionfilme oder Komödien interessant. Sie konnte sich wirklich nur für Krimis mit psychologischem Hintergrund faszinieren. „Split“ war zum Beispiel eines der wenigen Filme, den wir beide richtig gut fanden. „The Walking Dead“ und „Breaking Bad“ waren Serien, die wir beide verschlungen. Sie findet „The Walking Dead“ zwar besser, aber für mich ist „Breaking Bad“ die beste Serie, die ich jemals geschaut habe.

Pustekuchen! Trotz Regenwaldgeräusche, die mir Alexa ins Ohr flüstert, bekomme ich kein Auge zu. Um kurz vor 5 frage ich meinen besten Freund, ob er morgen einen kleinen Umweg machen und mich mit in unsere Heimat nehmen kann. Wir sind schon seit der Grundschule beste Freunde, irgendwann aber beide weggezogen. Zum Glück nicht allzu weit, so dass wir immer noch in engem Kontakt stehen und immer noch viel gemeinsam mit unserem Freundeskreis in der Heimat unternehmen.

Am 01.05. ist, wie es sich gehört, eine Wanderung geplant, so ganz typisch mit Bier und einem Biergarten als Ziel. Eigentlich wollte ich gar nicht in die Heimat kommen und den Tag mit meiner Freundin verbringen, aber das hat sich ja nun erledigt. Ich will nur raus und nicht den ganzen Tag alleine in unserer gemeinsamen Wohnung verbringen, das würde ich nicht schaffen. Meinen Freunden will ich den Tag aber auch nicht versauen und so will ich eigentlich nur zu meinen Eltern.

Morgens trudeln dann die ersten Nachrichten ein, was denn los sei. Ich sage einer von ihnen, dass meine Freundin Schluss gemacht hat und sie hält es für einen schlechten Scherz. Keiner kann das wirklich glauben und verstehen. Wie gesagt, es kam aus heiterem Himmel.

Der Freundeskreis war schon seit Jahren UNSERER Freundeskreis. Ich habe sie mit in diesen eingefügt und auch dort hat sie sich perfekt eingelebt. Ich frage mich, wie das jetzt funktionieren soll, denn sie hat eigentlich keinen richtigen Freundeskreis mehr. Sie meinte auch schon, dass sie nun niemanden hat, mit denen sie auf das Stadtfest und das Festival gehen kann, wo wir jedes Jahr ganze Tage und Wochenenden zusammen verbracht haben. Das ist aber alles noch Zukunftsmusik und darüber mache ich mir zurzeit noch keine Gedanken.

Ich erzähle ihnen, dass ich abgeholt werde und zu meinen Eltern fahre. Ich will nicht, dass sie mich so sehen oder dass ich ihnen die Wanderung versaue. Sie lassen aber nicht mit sich reden und befehlen mir regelrecht mit zu kommen und ich muss sagen, dass sie mir damit echt den Tag gerettet haben. Natürlich kommt es immer wieder zu Tränenausbrüchen, aber die halten sich in Grenzen.

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